Mit viel Liebe, ganz ohne Schwefel

Trees Lybaert-Claes und Luc Lybaert sind Querköpfe und Quereinsteiger im Weinbusiness. Die beiden Belgier beschlossen vor rund acht Jahren, der Welt oder zumindest sich selbst zu beweisen, dass man kein Franzose sein muss, um wunderbaren französischen Wein zu machen. Und natürlich: dass sich Weltklassewein ganz ohne jegliche Zusatzstoffe machen lässt: die Domaine Lous Grezes verzichtet auf jegliche Pestide und Herbizide, auf Schönungsmittel - und auf den Zusatz von Schwefel. Das Ergebnis: Weine, die unverstellt, ehrlich, direkt, eben "naturel" duften und schmecken. Die Domaine Lous Grezes nähert sich dem Weinberg und den Weintrauben quasi auf einem anti-industriellen Weg: es geht nicht darum, unbedingt jedes Jahr immer die selben Cuvées zu machen. Vielmehr lassen sich Luc und Trees den Weg vom Lesegut leiten. Stolz präsentieren sie dem Besucher ein (zehn Jahre altes) Barriquefass voll mit herrlich vollreifem Tempranillo. Der ist dieses Jahr so gut geworden, dass "wir vielleicht mal wieder eine neue Cuvée draus machen müssen", sagt Luc und lacht - allein auf der Homepage des 2-Personen-Weinguts (www.lousgrezes.com) finden sich die Namen von zwölf Weinkreationen. In Wirklichkeit gibt es aber noch viel mehr.

So entstand nicht nur ein "Vin Orange", also ein Weißwein (Chardonnay), der wie Rotwein auf der Maische vergoren wurde und kupferrot bis orange schimmert, ein "PetNat", quasi Champagner ohne Zuckerzusatz, sondern auch der wunderbare "Le Lous" (Okzitanisch: "Die Milch"). Als beim Abfüllen in drei Barriques verschiedener Jahrgänge Cabernet Sauvignon noch viel Wein übrig war, machten die beiden einfach eine jahrgangslose Cuvée draus - ein bisschen wie beim Solera-System des Sherry. Konventionen sind eben nicht ihr Ding.

So richtig ihr Ding ist aber inzwischen der Cabernet Sauvignon geworden. Das zeigt sich bilderbuchartig in der "Cuvée D&D", einem hundertprozentigen Cabernet, der aber alle Vorurteile über diese manchmal ruppige Rebsorte pulverisiert. Dieser Wein hat nichts von Paprika, brandigen Tanninen oder Schärfe, die in manchen Bordeaux zu finden ist. Stattdessen: Schokolade, Eukalyptus und Menthol-Noten, zupackende, aber zärtliche Gerbstoffe. "D&D" steht übrigens für "Destiny and Desire" - als die beiden ihre Weinberge kauften, wollten sie eigentlich gar keinen Cabernet dort haben - Destiny, also Schicksal, dass doch ein Hektar dabei war. Inzwischen ist aus der Fügung ihr "Desire", also eine Art Leidenschaft geworden.

Die Etiketten werden übrigens von Kamagurka gestaltet, einem belgischen Cartoonisten, der ähnlich unkonventionell und erfrischend mit dem Thema Wein umgeht wie Luc und Trees selbst: immer mit einem Augenzwinkern, sperrig, querdenkerisch - aber immer kunstvoll!

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