Im Weinberg geht die  Post ab!

Die Geschichte  ist so schön und unglaublich, dass sie weltweit Karriere gemacht hat: ein Postbote macht nach Feierabend und während  seines Jahresurlaubs Wein. Es stimmt wirklich! Serge Scherrer hat an der Weinbauschule in Straßburg gelernt, wie  man Wein macht. Nur leider hatte er, anders als viele Kommilitonen, keinen Familienweinberg nebst nobler Domaine, die er erben konnte. Also beschloss er, erst mal Postbeamter zu werden, um auf seine Chance zu warten. Sie kam 2007, als Scherrer rund 4,4 Hektar Reben davor rettete, rausgerissen zu werden. Er kaufte seine Rebzeilen und gründete die Domaine "Agarrus", das okzitanische Wort für die Garrigue-Eiche. Wir treffen Serge mitten in der Lesezeit. Ein Termin? Schwierig, aber machbar. Er verspätet sich leicht, weil es beim Pressen nicht wie erwartet ging. Im löcherigen, schmutzigen T-Shirt steigt ein übermüdet aussehener Mann mit kurz geschorenem, grauem Haar - doch seine Augen leuchten wie die eines kleinen Kindes, das gerade ein Eis bekommen hat. "Ja, das hier ist mein Jahresurlaub", sagt Serge und schmunzelt.

Die Geschichte seines wunderbaren, knochentrockenen Weißweins "L'espinasse" erzählt er auch noch mit einem Lächeln. Doch für uns ist es der mit Sicherheit traurigste Wein in unserem Sortiment. Dieser 100-prozentige Grenache Blanc ist nicht von ungefähr so ungeheuer mineralisch-erfrischend. "Er wächst auf Siliziumboden, das ist unglaublich selten", sagt Serge. Als der Eigentümer verkaufen wollte, bot Scherrer für seine Begriffe richtig viel Geld für die Parzellen - doch es reichte nicht. Ein Investor überbot ihn locker. Und heute gibt es dort keinen Wein mehr. Auf den wertvollen Siliziumböden tummeln sich jetzt Pferde einer Reitfarm - was für ein Jammer. Wir sind froh. noch ein paar Fläschchen ergattert zu haben. Dieser Wein ist definitiv eine Rarität, die es nur noch für kurze Zeit zu trinken gibt. Serge Scherrer lässt sich von solchen Dingen nicht entmutigen. Er weiß: vom Wein allein wird er nie leben können. Umso stolzer ist er auf sich, seine Weine, die alle bio-zertifiziert sind und mit minimalsten Mengen an Schwefelzugabe auskommen. Ausverkauft ist er dennoch mit schöner Regelmäßigkeit, selbst in Japan spricht man über  seine Weine - die Kreszenzen eines Briefträgers mit einer unglaublichen Passion und dem Können eines großen "Winemakers".

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