Die Hefeflüsterin

Glück muss man haben! Bei unserem diesjährigen Sommeraufenthalt in Südfrankreich konnten wir uns des Gefühls nicht erwehren, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ausgerechnet unweit von Uzès, wenige Kilometer von unserem Feriendomizil entfernt, lebt nämlich seit wenigen Monaten (aus familiären Gründen) eine Frau, die unter den Weinkennern Neuseelands Kultstatus genießt. Michelle Richardson (auf dem Bild mit ihrem Mann Richard) war viermal "Winemaker of the year", also beste Weinmacherin Neuseelands. Das ist nicht nur eine Riesenauszeichnung, das grenzt in der Männerdomäne Winemaking an ein Wunder. Als wir sie zuhause besuchen, ist von Starallüren aber keine Spur. Michelle liebt es einfach, über ihre Weine zu sprechen - und vor allem: über Hefe. Die kleinen Lebewesen haben es ihr angetan. "Wenn ich das Zischen einer Gärung und die Hefe bei der Arbeit höre, dann ist das für mich wie eine Meditation", sagt sie und strahlt. Sie kann ebenso ausufernd wie fesselnd über die Faszination der Hefe philosophieren, die ihr Leben hingibt, um ein gutes Produkt  hervorzubringen. (In diesem Fall ist das Wein, aber Michelle liebt es auch, mit Hefe zu backen).

Dabei entspricht Michelle in ihrem Verständnis der Weinbereitung keineswegs dem Klischee des Neuseeländischen "Anything goes". Umkehrosmose, Verdampfungstechnik und sonstiger technischer Firlefanz sind ihr ebenso ein Gräuel wie künstliche, gezüchtete Hefen, mit denen man "einem Wein jedes beliebige, aber künstliche Aroma" verpassen kann. Michelle schwört auf naturnahen Ausbau bei den Winzern, denen sie die Trauben abkauft. Sie überlässt die ganze Arbeit den natürlich im Weinberg vorkommenden Hefen und kann immer wieder wie ein Kind staunen, wenn mitten im Winter ein Chardonnay plötzlich mit  der Milchsäuregärung anfängt. Alkoholbomben? Gummibärchen-Sauvignon? Nicht mit ihr! So tun ihre Weine eigentlich genau das, was die Franzosen so mögen: sie erzählen Geschichten von ihrer Herkunft, leugnen nicht ihre Geburtsstätte - sind aber dennoch leicht und beschwingt.

Dennoch macht es ihr ihre neue Wahlheimat nicht gerade leicht. Michelle sucht derzeit nach einem Weg, in Südfrankreich genau das zu tun, was sie zuhause in Neuseeland nebenbei noch immer so wunderbar tut: aus natürlichen Hefen und bestem Lesegut schlicht und einfach Weltklassenwein zu machen. Die französischen Weingesetze sind da aber anderer Ansicht - Wein machen darf nur, wer auch Weinparzellen besitzt. Wir wünschen ihr dabei auf jeden Fall viel Glück! Und wir sind sehr stolz, dass wir die einzigen Weinhändler in ganz Deutschland sind, die zurzeit die traumhaften Weine von Michelle Richardson verkaufen. Zurzeit zwar nur in extrem geringen Quantitäten, das soll sich aber schon bald ändern...