Her mit den Reben! Weg mit den Reben!

"Das hier waren alles mal Rebzeilen" - mit einer schwer zu ergründenden Mischung aus Ironie, Trauer und Spott weist der knorrige Winzer Yves auf karge Wiesen und Felder hinter seinem Anwesen. Yves erzählt eine Geschichte, die gleichermaßen grotesk wie symptomatisch für das Verhältnis zwischen der EU und den Weinen im Languedoc ist. Als Yves vor vielen Jahren ein aufstrebender Jungwinzer war - seine Reben stehen unweit von Anduze, gut eine Stunde nördlich von Montpellier -, da war er ein Brüsseler Lieblingskind. Als "Jeune vigneron" bekam er satte Prämien. Für umgerechnet 7000 Euro, erzählt er, habe er eine Parzelle mit Syrah neu gepflanzt.

Und jetzt? Alles wieder weg! Und zwar ebenfalls für staatliche Subventionen. In Brüssel erkannte man, dass das Languedoc einer der Hauptgründe dafür ist, dass der viel zitierte Weinsee - bestehend aus Unmengen an Massenwein, den nicht mal die Einheimischen trinken können - ständig mehr ausufert. Also zahlte Brüssel wieder Prämien, dieses Mal fürs Rausreißen von Rebstöcken. So kam es, dass Yves seine teuer subventionierten Rebzeilen wieder entfernte. Übrigens: "Dafür habe ich auch 7000 Euro pro Parzelle bekommen."

Das Languedoc: rund 290 000 Hektar sind im Halbrund ums Mittelmeer mit Reben bestockt - rund doppelt so viel wie im Bordeaux. Zwei Drittel der Winzer bauen ihre Weine nicht selbst aus, sondern liefern sie an die allgegenwärtigen Genossenschaften ab. Die einst stattlichen, aber jetzt ziemlich heruntergekommenen Gebäude der "Coopératives" sind Sinnbild für die Entwicklung der Weinwelt im gigantischen Languedoc. Was dem Württemberger seine Literflasche, ist dem Südfranzosen der Wein aus dem "Vrac". Will heißen: leere anderthalb Liter fassende Plastikflaschen, Kanister gar, werden in die Genossenschaft getragen. Dort werden sie, in Tankstellen-Manier, vollgemacht, für rund 1,50 Euro pro Liter. Über die Qualität wird hier nur selten diskutiert.

Gut, dass es auch im Languedoc immer mehr Einzelwinzer gibt, die ihre Weine unter eigenem Namen ausbauen, vermarkten und für deren Qualität dann auch gerade stehen...

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